Habt Ihr Euch einen Federball schon mal angesehen?

Keine 5 Gramm, zart gebaut und dennoch den stärksten Schlägen standhaltend, strahlend weiß mit geordneten, glänzenden Federn oder schon gespielt, ein wenig zerzaustes Federkleid aufweisend. Ein kleines Kunstwerk !

Herstellung
Viele glauben, Federbälle herzustellen sei ganz einfach. Ein Ball besteht ja nur aus einem Korkfuß, 16 Federn, ein bisschen Garn und etwas Kleber. Das ist ein großes Missverständnis. Obwohl es viele Federballfabriken in China gibt, müssen doch jedes Jahr einige schließen. Dies liegt vor allem daran, dass die Herstellung von Federbällen bester Qualität, hohe Fertigkeiten voraussetzt. Es ist schwierig, einen hohen Standard über den gesamten Fertigungsprozess aufrecht zu erhalten, weil noch ein großer Teil in Handarbeit erledigt wird. Die angelieferten Federn werden grob sortiert, mit Seife unter Zugabe von Bleichmitteln gewaschen, dann getrocknet, im Winter in speziellen Trocknungsgeräten, im Sommer in der Sonne. Dann gilt es die Federn fein zu sortieren, ob mit links- oder Rechtsdrehung, Breite (groß, mittel, schmal)

Gänse oder Entenfedern
Pro Flügel können nur 6 Federn für die Federballherstellung genutzt werden. Die Federn kommen aus 4 verschiedenen Regionen Chinas. Beste Qualitäten stammen aus dem Nordosten Chinas. Dort ist der Winter kälter und die Federn sind daher dicker. Besondere Qualifikation erfordert die Arbeit des Einsortierens. Hier geht es um die Stärke des Halms, und der Beugung, die Dichte der Federn und schließlich das Zurechtschneiden einzelner Federn. Die Arbeitskräfte, durchweg weibliches Personal, arbeiten in einer 50 Stundenwoche täglich 8 Stunden, mit 10 Minuten Pause alle 2 Stunden. Zirka 14000 Federn pro Mädchen werden dabei sortiert. Naturfedern benötigen immer einen gewissen Anteil an Fett und Feuchtigkeit, um gute Haltbarkeit und optimales Flugverhalten bei harten Schlägen möglichst lange aufrecht zu erhalten. Gänsefedern enthalten ca. 10% Fett natürliches Fett. Diesen Kälteschutz produzieren die Gänse , um die harten Winter Nord – Chinas unbeschadet zu überstehen. Die Ente lebt eher im wärmeren Klima, wie zum Beispiel in Taiwan vorherrscht. Sie braucht keinen so extremen Fettschutz. Daher ist der natürliche Fettgehalt der Entenfeder geringer und sie sind etwas spröder. Ein Federball aus Entenfedern hat deshalb eine geringere Lebensdauer als einer aus Gänsefedern. Taiwanesische Bälle sind meistens aus Entenfedern hergestellt. Für das ungeschulte Auge ist der Unterschied praktisch nicht sichtbar.
Schließlich werden die Federn nach einem speziellen Maß kontrolliert und nochmals komplett überprüft. Dann wird der Kork, der bereits mit einem PU- Überzug aus Portugal angekauft wird, für die Federnfixierung vorbereitet. Es werden maschinell 16 Löcher gestanzt und die Federn gesetzt. Die so gesetzten Federn werden justiert, so dass der Federkorb seine runde Form bekommt und das Ganze wird dann noch mit Klebstoff fixiert. Das Garn wird mit einer Art Häkelnadel in atemberaubender Geschwindigkeit händisch aufgebracht und dann maschinell verklebt, was dem Korb seine Haltbarkeit verleiht.
Nach der Trocknung wird die Geschwindigkeit der Bälle getestet. Jeder einzelne Ball wird mit einer Ballmaschine durch die Badmintonhalle geschlagen und von Kartons, die in den einzelnen Geschwindigkeitszonen stehen, aufgefangen. Diese Geschwindigkeitszonen verändern sich je nach Temperatur und Feuchtigkeit. Erst dann werden die Flugeigenschaften getestet, indem alle Bälle erneut per Ballmaschine durchgeschlagen werden und von guten Spielern, händisch, je nach Flugverlauf in Kategorie 1 (vollkommen) 2 (recht gut) und 3 (etwas unruhig) eingestellt werden. Die Geschwindigkeit der Bälle wird entsprechend ihrem Gewicht in den Geschwindigkeitsstufen 76, 77 und 78 angegeben. Je höher die Zahl desto weiter der Flug.

Lagerung
Federbälle sollten in kühlen, leicht feuchten Räumen z.B. Keller, bei mindestens 60% Luftfeuchtigkeit gelagert werden. Auf keinen Fall dürfen sie in Kühltruhen, trockenen Schränken oder in Räumen mit Zentralheizung gelagert werden. Sollte trotz einwandfreier Lagerung das Gefühl entstehen, die Federbälle seien ausgetrocknet, kann man die ganzen Rollen (ohne Klarsichtfolie ) vor einem Spiel für ca. 48 Stunden in ein feuchtes Tuch einwickeln. Dadurch wird die Feuchtigkeit wieder zugeführt und die Lebensdauer beim Spielen wesentlich verlängert. Diesen Effekt kann man auch erreichen, wenn man ein kleines Schwämmchen oder feuchtes Tuch in die Federballrolle einlegt. Das erhält das Feuchtigkeitsklima quasi von innen !
Interessant zu wissen ist, dass Federbälle erst ca. 3 Monate nach der Produktion die optimalen Haltbarkeits- und Flugeigenschaften erreichen. Bei richtiger Lagerung trocknet der Leim gut aus und die Bälle sind sauber ausgeformt.

Lagern der Ballrollen, immer Kork nach unten !